Zu der Rasse Dobermann kamen wir eher zufällig.
Ende des Jahres 2002, reifte in mir der Entschluss Gassigängerin im Tierheim zu werden. Der Hund, den ich damals in die Hand gedrückt bekam, war ein schwarzer Dobermann.
Warum ich als Anfängerin den Dobi bekam? Ganz einfach, er war einer der unkompliziertesten Hunde im Tierheim. Diesem Spaziergang folgten noch einige. Ich war hin und weg von diesem Hund, sein einziges Manko, er konnte nicht alleine bleiben. Damals habe ich mir alles Mögliche überlegt um den Hund zu mir nehmen zu können. Aber es ging nicht, arbeiten musste ich ja auch und allein bleibe konnte er nicht. Irgendwann, als ich sonntags wieder im Tierheim war um ihn abzuholen, hieß es, er sei von einer Tierschutzorganisation, die sich speziell für die Vermittlung dieser Rasse einsetzt, übernommen worden. Tja, da war ich erst mal ganz schön fertig. Aber nach kurzer Recherche wusste ich wo der Hund war, wie es ihm ging und wir besuchten ihn. Es ging ihm gut, er wurde aufgepäppelt, gepflegt und er hat ein gutes zu Hause bekommen. Von dieser Organisation haben wir dann auch unseren Sammy übernommen.
Unser Männlein sahen wir zum ersten Mal im Internet. Es war wirklich schlimm, was man diesem Hund alles angetan
hatte. In der Beschreibung stand damals, dass er stark misshandelt wurde, hatte Brandflecken am ganzen Körper und in den Ohren von Zigaretten, war bis auf die Knochen abgemagert und hatte Mangelerscheinungen. Er gab wirklich ein Bild des Jammerns ab und er tat uns sehr leid. Aber gefallen hat er uns nicht. Nein, so einen Hund wollten wir nicht. Von den Beschreibungen her passte aber irgendwie kein Hund zu dem, was wir eigentlich suchten und so ließen wir uns überreden, ihn uns doch mal bei seiner Pflegestelle anzusehen.
Ich werde niemals vergessen, als wir ihn das erste Mal sahen, wie er ganz ängstlich unterm Tisch hervorgeguckt, vor lauter Aufregung unter sich gepullert und uns mit seinen wunderschönen bernsteinfarbenen Augen ganz ängstlich angesehen und uns verzaubert hat. Es hatte an diesem Tag einige Zeit gedauert bis wir ihn mit Leckerlis angelockt und wir ihn anfassen konnten. 3 x haben wir ihn auf seiner Pflegestelle besucht, waren hin- und hergerissen ihn zu nehmen oder nicht, haben das Dafür und Dagegen abgewogen und beim 4. Mal haben wir ihn mitgenommen.
Ja und dann war er endlich bei uns zu Hause. Ich hatte mir extra zwei und mein Freund eine Woche Urlaub genommen um ihm die Eingewöhnung zu erleichtern. In der 2. Woche dann, als ich mit ihm allein war, er so vor mir stand und mich mit seinen hochgestellten Fledermausohren ansah, bekam ich es mit der Angst zu tun.
Mir fielen wieder die Kommentare meiner Bekannten ein von wegen:
" Wie könnt Ihr euch einen Hund aus 2. Hand nehmen.
Ihr, die Ihr überhaupt keine Hundeerfahrung habt, da weiß man nicht welche Macken er hat ... etc. und dann noch einen Dobermann, einen FUND-Dobermann. Irgendwann wird er austicken und wir werden dann in der Bild-Zeitung lesen: "Frau bekam von Dobermann halbes Gesicht weggebissen" .
An diese Sprüche musste ich mich erinnern, als er so vor mir stand. Und ich muss zugeben, heute schäm ich mich dafür, ich hab auch darauf gewartet, dass noch irgendwas kommt, irgendein Fehlverhalten oder so.
In dieser Anfangszeit stand ich in ständigem Kontakt mit der Frau, die bei uns die Vorkontrolle gemacht hatte. Sie hat mir sehr geholfen. Ich hab sie bei jedem noch so kleinen Zucken von Sammy angerufen. Sie gab mir sehr viele, sehr gute Tipps und ihr war wirklich nichts zu viel. Am Anfang ist man halt unsicher und ich war es ganz besonders, eben ein Anfänger. Man lässt sich durch die Kommentare anderer beeinflussen und vor allen Dingen verunsichern. Zum Glück waren und sind wir bis heute in einer sehr guten Hundeschule die nach "Animal learn"- Richtlinien geführt wird, dies hat uns auch sehr geholfen.
Wenn ich heute auf die Zeit zurückblicke kann ich nur schmunzeln. Wir haben wirklich einen absoluten Traumhund mit unserem Sammy bekommen. Ein Lämmchen, der unseren Besuch halb totschmust, an dem nichts falsches, nichts aggressives, nichts bösartiges, der einfach nur toll ist. Genau wie unser Dobi-Mädchen Dina.
Dina sah ich zum ersten Mal in der Tierpension, nachdem wir uns entschlossen hatten, sie als Pflegehund bei uns aufzunehmen. Wir versuchten damals mit ihr spazierenzugehen was nahezu unmöglich war. Sie wollte nicht aus der Tierpension raus und hat sich mit allen Vieren dagegen gesträubt, so dass wir diesen dann abbrachen. Ich werde nie vergessen, wie die Besitzerin der Pension damals sagte, es wird wohl einige Zeit dauern bis man mit ihr raus kann und sie sich eingelebt hätte. Dem war nicht so. Dina ist von Anfang an bei uns zu Hause rum, als würde sie schon immer dazugehören und dort wohnen. Sie ist wie selbstverständlich im Garten rum gelaufen und mit Sammy zusammen spazierengegangen.
Dina haben wir am Anfang einiges zugemutet. Freitags holten wir sie aus der Tierpension und montags sind wir beide wieder arbeiten gegangen. Da war nichts mit einer Eingewöhnungszeit. Wir haben einfach vorausgesetzt, dass sie mit Sammy zusammen alleine bleiben kann. Und wie sich dann im Nachhinein herausstellte, war es nicht so. Nachbarn erzählten uns ein paar Tage später wie herzzerreißend sie heulen würde. Das hat sich mit der Zeit gelegt und heute bleibt sie morgens mit Sammy zusammen problemlos daheim. Wäre Sammy aber nicht dabei würde es nicht klappen. Zu groß sind nach wie vor ihre Verlassensängste.
Die Ankündigung eines Interessenten hat schließlich dazu geführt, dass wir sie endgültig behalten haben.
Sammy haben wir jetzt über 3 Jahre (er ist jetzt geschätzte 7 Jahre) und Dina haben wir seit über 2 Jahren (sie ist ebenfalls 7 Jahre). Sie sind beide grundverschiedene Typen und jeder für sich einzigartig.
Warum sich Leute scheuen einem Dobi aus einem Tierheim eine Chance zu geben, wissen wir nicht. Wir würden jederzeit wieder einen Dobi aus 2. Hand zu uns nehmen.
Andrea Vogt, 28. Juli 2006