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Tierschutz in Ungarn oder: Auslandstierschutz – Informationen, Gedanken, Ziele. PDF Print E-mail
Written by Administrator   
Dienstag, 14 März 2006

Tierschutz in Ungarn oder: Auslandstierschutz – Informationen, Gedanken, Ziele.
Zunächst möchten wir Sie darauf hinweisen, dass wir uns bewusst dagegen entschieden haben, die Besucher mit „schlimmen Fotos“ zu schockieren – dennoch wird es nicht ganz vermeidbar sein, die Situation der Hunde in Ungarn zum Teil auch mit Fotos zu dokumentieren. Daher haben wir hier, wie auch z.B. bei unseren Reiseberichten eine Vorauswahl getroffen, die unserer Meinung nach vertretbar ist. Hier für möchten wir Sie um Ihr Verständnis bitten.

Die Situation:

 In Ungarn leben grob geschätzt etwa 2.000.000 heimatlose Hunde. Zum Teil auf der Straße (wo sie möglichst eingefangen oder leider auch überfahren werden oder aus anderen Gründen sterben), zum Teil in tierheimähnlichen Einrichtungen, aber zum Teil auch bei so genannten Hundefängern – diese werden oftmals mit dem gebräuchlichen Begriff „Tötungsstation“ bezeichnet. Wie in einigen anderen Ländern auch (z.B. in Süd- oder dem weiteren Osteuropa) gibt es nach wie vor den Beruf des Hundefängers, der die Aufgabe hat, streunende Hunde einzufangen und an einem dafür bestimmten Ort unterzubringen. Diese Hunde werden dem ungarischen Gesetz nach 14 Tage lang „aufbewahrt“ und dürfen dann „verwertet“ werden, sofern  sie von ihren Besitzern nicht innerhalb dieser Frist abgeholt wurden. Im Klartext bedeutet das, dass die Hunde entweder getötet oder verkauft werden (wohin ist selten nachvollziehbar)– inzwischen gibt es aber auch viele Tierschützer in Ungarn, welche bemüht sind, so viele Hunde wie möglich aus den „Tötungsstationen“ zu retten und sie zu vermitteln. Man muss dazu auch erwähnen, dass mittlerweile  die ein oder andere „Tötungsstation“ mit Tierschützern kooperiert und die „arretierten“ Hunde direkt im Anschluss an eine abgelaufene 14-Tages-Frist an diese übereignet.
Gleichfalls sollte nicht unerwähnt bleiben, dass einige (leider noch viel zu wenige) dieser „Tötungsstationen“ durchaus darum bemüht sind, die „Galgenfrist“ der Hunde zu verlängern und die Hunde so lange zu halten, wie es aus Platzgründen möglich ist. Diese Entwicklung ist sicherlich sehr zu begrüßen, wenngleich sie derzeit nichts an dem Umstand ändern wird, dass immer noch Hunde getötet werden müssen, um der ständig anwachsenden Zahl entgegen zu wirken.

  











Das Thema „Population“ ist ohnehin ein Thema für sich und ein schwieriges dazu. Wenn schon im Deutschen Tierschutz das Thema “Kastration“ immer wieder für Zündstoff sorgt – warum sollte es dann ausgerechnet in Ländern mit jungfräulichen Tierschutzgesetzen besser sein? 

  
 

Der einzig mögliche Weg, die Population langfristig zugunsten einer besseren Lebensqualität zu verringern, ist und bleibt die konsequente Kastration der Tiere. Und das ist eine, sowohl kostenmäßig, als auch organisatorisch, bzw. logistisch problematische Aufgabe. Die lizensierten, größeren Tierheime haben aufgrund der Unterbringungsmöglichkeiten zwar bessere Voraussetzungen für Kastrationsaktionen, als die vielen, privat betriebenen und mehr oder wenig nur geduldeten „Auffanglager“, aber sie machen leider eben auch den geringeren Teil aus.
In den „Auffanglagern“ wiederum drängen sich Bestände mit teilweise mehr als 400 oder 500 Hunden unter größtenteils miserablen Bedingungen. Kastrationen sind hier so gut wie unmöglich oder wirkungslos und das führt zu einer unkontrollierbaren, ständigen Erhöhung der Hundepopulation. Hinzu kommt, dass Welpen nach wie vor die am besten zu „vermittelnden“ Tiere sind und somit wenigstens einen geringfügigen Teil der Kosten zurückbringen – sofern sie die ersten Monate überhaupt überleben. Nicht gerade ein Ansporn, um Hunde zu kastrieren; ein Teufelskreis also, der durch emotionsgeladenen Aktionismus und unüberlegte „Rettungsaktionen“ leider eher fortgeführt, als unterbrochen wird.
 

Wie so oft im Auslandstierschutz wird momentan nichts weiter übrig bleiben, als punktuell (!) diejenigen Hunde zu adoptieren, die am ehesten Unterstützung benötigen und gleichzeitig alle Anstrengungen zu unternehmen, damit Hilfe zur Selbsthilfe vor Ort geleistet werden kann. Damit sind Verbesserungen der Lebensqualität der heimatlosen Hunde gemeint, Kastrationen (man kann es nicht oft genug erwähnen) und natürlich die Aufklärung der Bevölkerung selbst. Der reine Export der herrenlosen Hunde wird das Problem nicht dauerhaft verbessern – es werden immer mehr Hunde „nachrücken“, der Strom wird dadurch sicherlich nicht abreißen.
 

An den vorgenannten Anstrengungen will und wird sich die Dobermann-Rescue HUNGARY zukünftig noch stärker beteiligen. Natürlich, das ist, bzw. wird ein langer und steiniger Weg, den es auch mit Fingerspitzengefühl zu beschreiten gilt, denn es wäre unfair (und würde ebenso wenig Sinn machen), wenn man mit dem ausgestreckten Finger auf die „bösen ausländischen Tierquäler“ deutet, denn in Ländern, in denen es z.B. vor weniger als 10 Jahren noch eklatante Menschenrechtsverletzungen und bis zum heutigen Tag große wirtschaftliche Probleme gab, bzw. gibt, haben Themen wie Tierschutz einen völlig anderen Stellenwert, als bei uns „satten Deutschen“. Wir können ihn uns in der Form „leisten“ – einige andere (noch) nicht.

Sabine Winklmann

Last Updated ( Mittwoch, 25 Juli 2007 )
 
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