| Charlie aus Ungarn....ein Plädoyer für reife Dobis ! |
Mein ganzes Leben lang haben mich Hunde begleitet. Ohne Hund würde ich mich amputiert fühlen, Hundefreunde kennen das. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich bei mir eine Vorliebe für ältere, reife Dobermänner. Hunde, die mitten im Leben stehen, ihre Sturm- und Drangphase hinter sich haben und souverän den Alltag meistern.
Mit Anfang 50 möchte ich auch nicht mehr drei Stunden am Stück wie ein Flummi mit meinem Dobi durch die Botanik sprinten. Da ist es viel entspannter, ausgedehnte Spaziergänge mit einem gestandenen Dobi zu machen, der danach im Haus zufrieden und entspannt ist. Nach dem Tod meines Leon im Sommer sah ich mich im internet nach einem passenden Begleiter um. Erfahrungsgemäss gibt es nach dem Verlust eines geliebten Vierbeiners nur ein Heilmittel, ein anderer treuer Freund, auch das kennen alle Hundefreunde. Ich entdeckte Charlie, gebürtig aus Ungarn, ein rassiger "Czardas-Dobi". Beschrieben als souveräner, freundlicher, eher ruhiger Hund, mit geschätzten 7 Jährchen. Ich hatte so ein Gefühl, das könnte zusammenpassen und habe mich um Charlie bemüht. ![]() Frau Winklmann brachte ihn freundlicherweise frei Haus. Und so stand er da im Hof, ich dachte spontan, daß er mental wie auch optisch so was bullterriermässiges hatte. Fester Stand, kleiner, kompakter Wuchs, etwas krumme Beene und eine Rübennase. Nicht schön aber charmant und freundlich. Ich fand sofort, das passt irgendwie alles zusammen und auch zu mir. Eineinhalb Jahre hat der arme Charlie auf seine letzte Chance warten müssen, mir eigentlich unbegreiflich. Ein so wesensfester Dobermann ist im Hinblick auf manche Schönheiten, die häufig überzüchtet und reich an Macken sind, ein wahres Goldstück. ![]() Okay, anfangs kam ich mir ein wenig wie die Servicekraft im Hundehotel vor. Charlie ruhte vor allem in sich selbst, er war autark. Er genoss seine Vorzüge, war aber kein Dobi der einem sofort an den Hacken klebt und ein grosser Schosshund ist. In seinem bisherigen Leben war er auch nicht gerade auf Rosen gebettet. Er hatte zwar einen Vorbesitzer in Ungarn, dieser schob ihn allerdings zum Hundefänger ab. Da hatte der arme Kerl eine tennisballgrosse Geschwulst unter der Haut, nicht schön und eine Vermittlung in Ungarn recht aussichtslos. Die Tierschützer von DRH nahmen ihn auf und retteten ihm sicher das Leben. Charlie wurde operiert, der Befund war harmlos, alles war im grünen Bereich. Bloss wollte den armen Charlie immer noch keiner haben. Insgesamt eineinhalb Jahre musste er auf seine Chance warten, endlich noch sein Lebensglück zu finden. Mir unbegreiflich aber eben leider auch typisch menschlich. Wenn ich jetzt so erzähle was mein Ungarndobi alles für Vorzüge hat, werden manche staunen und das zu Recht. Charlie ist hochintelligent, Türen öffnen, Kommandos blitzschnell checken und zwar nachhaltig, sind nur einige tolle Fähigkeiten. Er ist robust und wesensfest, ruhig und souverän, alles hysterische ist im fremd. Er war sofort stubenrein, hat alle Abläufe des Alltags blitzschnell verinnerlicht und sie für sich akzeptiert. Er fährt gern mit im Auto, bleibt problemlos mal alleine, macht nichts kaputt, freut sich einen ab wenn man sich ihm zuwendet, ist zu allen Menschen freundlich und souverän im Umgang mit Hunden. Sein Revier bewacht er zuverlässig, dafür ist er ein Dobermann wie es auch sein soll. Mit Charlie sollte man respektvoll und konsequent umgehen, dann klappt alles tadellos, da er freundlich und leichtführig ist. Es tut mir gut zu erleben, wie dieser Hund mit vermutlich düsterer Vorgeschichte auflebt und sein Leben wortwörtlich geniesst. Wie er sein Kuschelkissen im warmen Haus liebt wenn es draussen friert und schneit, rührend. Er spürt dass er angenommen wird und das er endlich angekommen ist und dankt es täglich mit seiner Lebensfreude. Charlie ist jetzt der sechste Dobermann in Folge, den ich bewusst als älteren Hund vom Tierschutz oder aus privater Überforderung übernommen habe. Jeder hatte seine ganz eigene Persönlichkeit und für jeden hat sich der Einsatz gelohnt. Sie werden alle einen Platz in meinem Herzen behalten. Ich apelliere an alle Hundefreude die diesen Bericht lesen und evtl. aus Unsicherheit noch zögern oder ein falsches Bild vom Zusammenleben mit älteren Hunden haben. Geben Sie sich selbst und einem sehnsüchtig wartenden Dobermann eine Chance ihr Herz zu erorbern. Sie werden eine ganz besondere Mensch-Hund Beziehung erleben, tief und intensiv. Sie werden es wie ich nicht mehr missen wollen ! Rita K. |
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