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Újlengyel / Inárcs und Dunakeszi: Chronologie ungarischen Hundeelends - Update 25.11.2007 PDF Drucken E-Mail
08.11.2007

 Vorwort: Wenn Sie unseren Artikel über Hundeauffangstationen vielleicht kennen wissen Sie, dass wir nichts davon halten, gravierende Fälle von Animal-Hoarding zu unterstützen. Als sich unsere Kollegen in Ungarn am Montag, den 05.11.2007 zu einem Termin (bei dem wir auf unseren Neuzugang "Mimi" aufmerksam wurden) im Tierheim Ócsa einfanden, wurde dort von einem altbekannten Fall von Animal-Hoarding aus der dortigen Umgebung berichtet, einem Fall aus den Orten Újlengyel und Inárcs - dem in Ungarn seit Jahren bekannten "Blöki-Tierheim". Dort vegetieren derzeit rund 120 (150?200?) Hunde unter selbst für uns  kaum vorstellbaren Bedingungen.

Bevor wir Ihnen Details schildern und weitere Fotos von den dort vorgefundenen Zuständen veröffentlichen, möchten wir Sie um Ihr Verständnis bitten, dass wir an dieser Stelle auf Bilder von herumliegenden Tierkadavern oder von besonders krassen Fällen der Unterbringung verzichten und auch darauf, Sie um Spenden für Einzelfälle dieser Hunde zu bitten, da wir uns gemeinsam mit einer ganzen Reihe von ungarischen Tierschützern darauf konzentrieren möchten, einige der mithelfenden ungarischen Tierheime direkt zu unterstützen. Denn sie sind diejenigen, die diese Suppe (mal wieder) auslöffeln und mit Plätzen aushelfen müssen, die im Grunde gar nicht vorhanden sind.

Chronologie:

05.11.2007: Bekanntwerden der Haltebedigungen einer in Ungarn seit 1987 bekannten ungarischen Hundesammlerin Frau K., welche als Mietnomadin von einem Ort zum anderen zieht. Darstellen sollte diese Form der Hundehaltung ein "Tierheim" mit dem Namen "Blöki" - Vermittlungen ausgeschlossen. Wir wurden bei einem Fototermin in Ócsa mit darauf aufmerksam gemacht.

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07.11.2007: Da befürchtet wurde, dass Frau K. bei zu großem öffentlichen Druck mitsamt ihren Hunden wieder weiterziehe, wurde um Stillschweigen gebeten. Zwischenzeitlich wurde Anzeige erstattet und versucht, die ersten Hunde anderweitig unterzubringen. Das ungarische Fernsehen TV2 berichtet zum ersten Mal darüber ( Video ). Wir versuchen, bei der Unterbringung der Hunde und auch bei der dazu erforderlichen Logistik behilflich zu sein.

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12.11.2007: Die Anzeige hatte aufgrund des Medienberichtes Erfolg, der zuständige Notar soll ein Hundehaltungsverbot aussprechen (über dessen zukünftige Wirkung man durchaus streiten könnte). Noch ist dieses aber nicht erwirkt.

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13.11.2007: Ein neuer Bericht erscheint in den Medien (TV2 Video ), Frau K. soll die Hunde in Újlengyel und Inárcs bis Montag, den 19.11.2007 abgegeben haben. Mögliche Konsequenzen für diejenigen Hunde, die bis dahin noch nicht in anderen Tierheimen untergebracht werden konnten, sind derzeit reine Spekulation.

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14.11.2007: Es gibt eine Reihe von Zusagen von anderen Tierheimen - jedoch sind die zugesagten Plätze bei weitem nicht ausreichend. Kollegen unseres Teams haben für den kommenden Samstag Hilfe zugesagt.

Wir werden Sie an dieser Stelle über den weiteren Verlauf informieren. Weiterhin haben wir entschieden, dass die Hilfsgüter der bevorstehenden Tour ausnahmslos an einen Teil derjenigen Tierheime ausgegeben werden, die bei dieser Aktion behilflich sind. Auch die von unseren Kollegen von Dobermannschutz e.V. bis dahin gesammelten Geldspenden werden -sofern sie den allgemeinen Verwendungszweck "Ungarn" hatten- an diese Tierheime ausgehändigt.

15.11.2007: Nach einem Zeitungsbericht von gestern Abend soll Frau K. die  Haltung von 50 Hunden durch den zuständigen Amtsveterinär erlaubt werden.

16.11.2007: Nachdem erwartungsgemäß viele Gerüchte in die Welt gesetzt wurden (der Fluch von Internet-Foren und/oder Kettenmails) kristallisiert sich nun heraus, dass die Gemeinden Újlengyel und Inárcs Frau K. eine Haltung von Hunden untersagt haben sollen, ein personengebundenes Halteverbot sei dies jedoch nicht. Es sollen ihr 50 Hunde verbleiben, was quasi den Grundstock für die nächste zu erwartende Katastrophe darstellen würde.

Verschiedene Tierheime haben derzeit weitere Übernahmen zugesagt, darunter die beiden HEROZ-Tierheime in Szekesfehervar und Budapest, sowie auch das Tierheim in Siofok. Morgen, am Samstag sollen diese Hunde weitestgehend an diese Tierheime verteilt werden, das ungarische DRH-Team beteiligt sich ebenfalls mit an der Logistik. Wieviele Hunde dann noch "übrig" sind, vermag momentan niemand zu sagen.

DRH wird keine Hunde aus diesen Verhältnissen direkt übernehmen - stattdessen werden wir die Gelder, die für Quarantäne und aufwendige Behandlungen einzelner Hunde nötig wären, neben Futter und weiteren Hilfsgütern an zwei derjenigen Tierheime aushändigen, welche diese Hunde mit auffangen und dadurch hohe Belastungen bekommen werden. Das erscheint uns sinnvoller, als einzelne (vermeintlich spektakuläre aber auch teure) "Rettungsaktionen" aus diesem Vorfall, denn in diesem Moment geht es ausschließlich darum, so vielen Hunden wie möglich den Weg zu ebnen und diese Leistung können nur die Tierheime vor Ort erbringen.

17.11.2007/1: Die nachfolgenden Fotos vom gestrigen Tag stellen wir weitestgehend kommentarlos ein. Es handelt sich auszugsweise um Hunde, die gestern in weitere Tierheime gebracht worden sein sollen - es sind überwiegend kranke oder auch verletzzte Tiere, die besonders zu leiden hatten.

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17.11.2007/2: Wir haben heute am späten Abend den Bericht unseres Teams aus Ungarn erhalten. Es hat heute offensichtlich großes Gedränge gegeben, unsere Kollegen sind daher nach Inárcs gefahren, um mit anderen ungarischen Tierschützern weitere Hunde abzutransportieren, die Fahrten gingen kreuz und quer von Inárcs nach Szekesfehervar, nach Siofok, zurück nach Szekesfehervar und wieder nach Budapest. Es sind 12 Hunde untergebracht worden, ein weiterer Hund wird morgen oder Anfang der Woche geholt. Auch die Kollegen des Tierheimes in Tököl haben freundlicherweise aushelfen können und wir freuen uns, wenn auch wir sie Ende November endlich mal wiedersehen.

Es wurden eine Menge Fotos heute gemacht, die sich aber im Grunde nicht von den bisher bekannten unterscheiden und daher verzichen wir auf eine Veröffentlichung. Es ist uns wichtiger, ein paar Hunde in Sicherheit zu wissen. Unsere Kollegen werden jetzt erst einmal einiges zu tun haben, um ihre Fahrzeuge zu desinfizieren, denn die abgeholten Hunde waren zum teil sehr krank und auch angesichts der unhygienischen Umstände dort musste man mit der Verschleppung von Infektionen rechnen.

 18.11.2007/1: Die bereits vergangene Woche angekündigte ungarische Website, welche sich ausschließlich mit diesem Thema beschäftigt, wurde heute  publiziert ( http://kutyasegitseg.com/  [= sinngemäss: "Hunderettung" / "Hundehilfe") . Details über den Inhalt werden wir Ihnen kurzfristig erläutern. Von der Vorsitzenden eines Budapester Tierschutzvereines wurden wir gestern gleichfalls noch darüber informiert, dass ein Verfahren gegen Frau K. angestrebt werde.

 

18.11.2007/2: Heute sind ebenfalls verschiedene Tierschützer aus Ungarn vor Ort behiflich. Es sollen weitere Tiere zum Tierheim Siofok gebracht werden. Wieviele Hunde bis morgen noch dort verblieben sind, ist unklar, denn erfahrungsgemäß herrscht in solchen Situationen immer Chaos. Möglicherweise werden die verbliebenen Hunde beschlagnahmt, was einen ähnlichen Verlauf wie im Falle "Sopron" oder "Dobermann-Getto" zur Folge haben würde. Doch das bliebe abzuwarten.

18.11.2007/3:
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Der Name dieses Hundes ist "Danny". Da es unseren Kollegen ein persönliches Anliegen war, diesen Hund zu übernehmen, haben wir dem stattgegeben und eine Ausnahme gemacht - Danny ist bereits in einer Tierklinik und wird nach seiner Genesung in eine kleine Hundepension gebracht, in die ein Teil unserer Schützlinge in den letzten Tagen bereits umgzogen ist. Danny ist völlig traumatisiert und wird anschließend in der einfühlsamen Hand des dortigen Trainers gut aufgehoben sein.  

Morgen früh um 09:00 wird die zuständige Notarin vor Ort sein und eine Entscheidung treffen müssen. Wie diese dann aussieht, werden wir zu gegebener Zeit mitteilen.

18.11.2007/4: Jemand war so freundlich, einen Augenzeugenbericht zu übersetzen und uns die Erlaubnis zur Veröffentlichung zu geben:

> Bericht aus Inárcs

>

> (Vorgeschichte: Eine ,,Tierschützerin" in Ungarn/Újlengyel hat 160 Hunde eingesammelt, die sie zuletzt nicht mehr versorgen konnte.) Heute haben wir (das Tierheim Árvácska in Szentendre/Ungarn) aus Inárcs 8 Hunde mitgebracht. Sowas habe ich noch nie gesehen! Obwohl ich schon Fotos über die dortige Situation gesehen habe ...

Stell dir ein Zimmer mit 30 nm vor, drinne 30 Hunde, die dort pinkeln, ihre Geschaefte machen, ohne Fressnaeppfchen, ohne Bett, sie dürfen nicht raus ... Ich war noch nie in einem so stinkigem Zimmer!!!!

> Wir haben Trockenfutter für die Hunde mitgenommen. Vor unseren Augen wurde das Futter auf den Boden geschüttelt, der voll gepinkelt war ... Die Hunde haben es von dort aufgefressen. In wenigen Sekunden hat ,,jedes Zimmer" einen Sack Trockenfutter aufgegessen (insgesamt gab es 3 Zimmer).

> Die 2 bösartigen Tierpfleger betreten die Zimmer nur mit einem Stock, wo viele verletzte, kranke oder traechtige Hunde liegen ...>

> Es wurden 40 Hunde auf die Anlage in Inárcs übergebracht. Von dort haben wir 8 genommen. Dort wohnen die Hunde in Schweinestaellen, zu zehnt, voll im Dreck und Kot, ohne alles, verletzt, mit Wunden.

> Wir mussten uns ,,unsere" Hunde aussuchen. Auf dem Weg dorthin habe ich mir noch irgendwelche Gesichtspunkte überlegt, aber als wir endlich dort waren, hat es nur vor unseren Augen geschwebt,je mehr Hunde mitnehmen zu können ... Zwischen ihnen gibt es wirklich sehr viele schöne,auch reinrassige, die schnell neues Herrchen finden könnten!!!!

> Die Besitzerin der Hunde ist ein richtiger Irre. Schrecklich! Sie müsste sofort ins Gefaengnis. Wir mussten für jeden einzelnen Hund einen Kampf führen, damit sie uns das arme Wesen überlaesst ...

> Ich weiss nicht genau, wie viele Tierschützerorganisationen in der Unterbringung der Hunde zusammenschliessen ... Ich hoffe, dass alle Hunde schnellmöglichst von dort wegkommen!!!

19.11.2007/1: Augenblicklich werden noch weitere Hunde fortgeschafft (Weisses Kreuz [Fehérkereszthez] und HEROZ Budapest haben weitere Plätze zugesagt). Ein Kuvasz hat direkt ein Zuhause gefunden. Es wird nach wie vor nach Lösungen für die restlichen Hunde gesucht, wie viele es sind, ist derzeit nicht bekannt.

19.11.2007/2: Nach letzten Verlautbarungen verbleiben noch 37 Hunde, davon wurden heute 18 Tiere sediert auf dem Dachboden vorgefunden.

19.11.2007/3: Der Rest von 37 Hunden wurde heute beschlagnahmt - die Tiere sollen in das Tierheim Ócsa gebracht werden. Augenblicklich ist das für diese Tiere sicherlich die bessere "Alternative". Es stand für kurze Zeit das Sammellager "Paks" zur Diskussion, doch würde man damit das Problem lediglich verlagern - die Hunde würden vom Regen in die Traufe geraten. Somit verbleibt das Fazit, dass derzeit die Gebäude der Frau K. geräumt worden sind und nun geht es ausschließlich um die Versorgung der Tiere vor Ort.

21.11.2007/1: Nachdem alle Hunde aus der Sammlung der Frau K. untergebracht wurden, zeichnet sich die nächste Auflösung einer ähnlichen Einrichtung ab: ein Lager in Dunakeszi (Raum Budapest). Es sollten aufgrund der Auflösung 30 Hunde verteilt werden - vorgefunden wurden jedoch fast 100 Tiere.

22.11.2007: Viele der Tierheime, die schon Hunde aus Újlengyel und Inárcs aufgenommen hatten, bekommen nun noch weitere Hunde "aufgebürdet". Ein weiterer Grund, diese Tierheime mit Spenden zu unterstützen. Die ersten Fotos von Hunden, die übernommen worden sind:

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Update 23.11.2007: Die dort vorgefundenen Hunde wurden in den letzten beiden Tagen verteilt und versorgt. Ursprünglich wurde dieses "Tierheim" (Csellengö Foundation) bereits im Jahre 2004 nach der Hochwasserflut komplett geräumt und ein Halteverbot gegen die Betreiberin und ihre Tochter ausgesprochen. Diese jedoch machten nach einiger Zeit weiter - jedoch nicht als "Animal Hoarder", die Motivation waren hier wirtschaftliche Interessen. Das Gelände war übersät mit verwesten Kadavern, die vorgefundenen Tiere sind größtenteils unterernährt und völlig verwahrlost. Weitere Fotos und Berichte folgen heute im Laufe des Tages.

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Unser Update 19.11.2007/3 müssen wir korrigieren: Das Tierheim Ócsa hat "nur" 18 Hunde aufgenommen - die restlichen (20, statt 37) beschlagnahmten Hunde wurden auf verschiedene Tierheime verteilt.

Hier nun die Zahlen (ohne Gewähr):

Hunde aus Újlenygyel / Inárcs (rote Zahlen = beschlagnahmt zur Beweisaufnahme)
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Hunde aus Újlenygyel / Inárcs UND Dunakeszi:
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Update 24.11.2007: Weitere Fotos der Hunde aus Dunakeszi:

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25.11.2007: Die Umquartierungen der Hunde aus diesen beiden Fällen ist nun abgeschlossen. Wir werden einen Teil der Tierheime, bzw. Tierschutzvereine, die bei dieser Aufgabe mitgeholfen haben während unserer November-Tour und auch noch einmal im Dezember anfahren und unser Versprechen, mit Sach- und Geldspenden auszuhelfen, einlösen.

Noch eine abschließende Anmerkung: wir selbst haben in diesem mehr oder weniger direkten Zusammenhang beobachten müssen, dass "Hundesammeln" nicht immer nur ein zweifelhaftes Hobby gescheiterter Existenzen ist, sondern ansatzweise auch bereits dort erkennbar wurde, wo man es zunächst nicht vermutet hätte. Die Motivationen waren oftmals eine Kombination aus persönlichen Vorlieben und der mangelnden Fähigkeit, "nein" sagen zu können. Auch in der Vergangenheit gab es in Fällen von Animal-Hoarding fast immer eine Verbindung zum "Tierschutz". Wenn "neue" Hunde beinahe im Stundentakt aufgenommen wurden ohne Rücksicht auf bereits vorhandenen Bestand und den damit nahezu grundsätzlich verbundenen Infektionsdruck, war der Grundstein für ein nächstes Desaster gelegt. Fälle wie "Újlengyel", "Dunakeszi" oder auch "Paks" sollten ebenso abschreckende, wie mahnende Beispiele sein. Und sie waren, bzw. sind nur die Spitze des Eisberges .........

Sabine Winklmann

 

 

Letzte Aktualisierung ( 03.12.2007 )
 
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