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"Hundeauffangstationen" in Ungarn: Tierschutz oder subventioniertes Tierelend? PDF Nyomtatás E-mail
Írta: Administrator   
2006.09.29 [00:00]


Immer wieder ist im Bereich des Auslandstierschutzes von "Auffangstationen" für Hunde die Rede. Auch in Ungarn. Doch was genau ist das eigentlich?

 

Wir wollen an dieser Stelle ein wenig aufklären und auch gleichzeitig unsere kritischen Argumente darlegen, welche eher "gegen" eine Subventionierung dieser Auffangstationen ausgerichtet sind, als dafür.

Die Situation:
Im Land Ungarn gibt es eine ganze Reihe so genannter "Auffangstationen" für Hunde. Diese Einrichtungen sind nicht mit einem Tierheim vergleichbar, denn in aller Regel sind sie privat geführt und nicht genehmigt - also eher "geduldet".

Es handelt sich hierbei um die Haltung einer größeren Anzahl von  Hunden unter größtenteils unbeschreiblichen Bedingungen. Sie müssen sich in größeren Gruppen i.d.R. viel zu kleine Zwinger teilen, was zu ernsthaften Auseinandersetzungen führt - auch wenn genügend Platz vorhanden ist, die Zusammenstellung der Gruppen aber falsch war und/oder es durch Futtermangel zu erbitterten Kämpfen kommt: immer wieder werden Hunde bei Beissereien übel zugerichtet oder von ihren Artgenossen totgebissen.

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Die drangvolle Enge erhöht sich ausserdem durch unkontrollierte Vermehrung kontinuierlich, da vereinzelte Kastrationen völlig sinnlos und dazu auch logistisch so gut wie unmöglich sind. Es gibt, bzw. gäbe neben dem Problem der Finanzierung nur kaum oder keine ausreichenden Möglichkeiten, die frisch operierten Hunde zu separieren - sie nach einer Narkose in ein Großrudel zu geben, würde beinahe einem Todesurteil gleichkommen. Also vermehren sich die Hunde weiter und die latente Futtermittelknappheit führt zu weiteren Problemen - von den gesundheitlichen abgesehen. Die Sterblichkeitsrate insbesondere in den Wintermonaten ist hoch - Welpen haben oftmals gar keine Chance. Eine Endlosspirale des Tierleids......

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Angesichts dieses Elends stellt sich eine Reihe durchaus berechtigter Fragen zur Thematik  "Abhilfe". Jeder Mensch, der Gefühle für seine Mitgeschöpfe aufbringen kann, wird sicherlich spontan das Bedürfnis verspüren, diesen Hunden irgendwie helfen zu wollen.

Im Vergleich zum Auslandstierschutz sollten wir jedoch einmal in unsere eigenen Reihen, nämlich nach Deutschland blicken. Gerade in den vergangenen Monaten tauchten vermehrt Pressemeldungen auf, nach denen so genannte "Gnadenhöfe" von Veterinärämtern geschlossen werden mussten aufgrund der unhaltbaren Zustände für die dort lebenden Tiere. Die "unhaltbaren Zustände" waren Feststellungen, wie:

  • Vernachlässigung
  • nicht artgerechte Unterbringung
  • mangelhafte Ernährung
  • unterlassene medizinische Versorgung
  • fehlende Quarantänemöglichkeiten
  • unkontrollierte Vermehrung
  • usw. usf.

Würden Sie angesichts dieser Erkenntnisse ("unhaltbare Zustände") auch nur einen Cent an einen dieser "Gnadenhöfe" spenden oder diese auf irgendeine andere Weise subventionieren? Vermutlich nicht und Ihr Ruf nach dem Eingreifen der zuständigen Veterinärbehörden wäre durchaus richtig und gerechtfertigt.

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Anders sieht das bei Bekanntwerden der Bedingungen in ausländischen  "privaten Hundeauffangstationen" aus, wobei sich diese oftmals lediglich darin vom oben beschriebenen "Deutschen Tierelend" unterscheiden, dass sie eben im Ausland für Aufsehen sorgen und nicht hier, vor unserer eigenen Haustür. In Deutschland würde das Betreiben solcher Plätze als "Animal-Hoarding" bezeichnet und nichts anderes ist es, zumindest sachlich gesehen.
Die Betreiber (oftmals Einzelpersonen) haben im guten Willen zu helfen mit ein paar Hunden angefangen - es kamen ständig neue Hunde als Notfälle hinzu und ab einem gewissen Punkt hat sich das ursprünglich gut gemeinte Projekt buchstäblich verselbstständigt,es ist ausser Kontrolle geraten. In Deutschland und auch in Ungarn sind diese Entstehungsgeschichten oder Entwicklungen also nahezu identisch. Der Umgang damit jedoch nicht.

Weil gerade der Auslandstierschutz so emotional behaftet ist (wer will sich von diesen vielen Schockfotos und deren Auswirkungen schon freimachen), ist man versucht, zu helfen, indem man z.B. Futter spendet. Mit dem Gedanken oder der Hoffnung, dass punktuell einige Hundert Hunde wenigstens für kurze Zeit satt werden. Doch was dann? Wie soll das eine Woche später aussehen? Einige Monate oder gar Jahre später? Während die verschiedenen Hilfsaktionen längst wieder vergessen sind, sitzen diese Hunde immer noch dort in den Gehegen und leiden weiter still vor sich hin. Tagein-Tagaus, wochen-, monate-, jahrelang. Und es werden immer mehr .......

Man muss sich selbst und auch seinem Gewissen die Frage stellen, ob man sich an einer Verlängerung dieses Elends nicht mitschuldig macht, wenn man dies aus seinen Emotionen heraus spontan unterstützt. 

Gibt es eine Lösung?
Eine für alle befriedigende Lösung wäre ein sicherer Platz in einem Tierheim mit der entsprechenden Grundversorgung oder noch besser: ein schönes Zuhause. Doch das ist angesichts der Zahlen utopisch. In einem großen Auffanglager befinden sich derzeit allein bis zu 500 Hunde - andere bewegen sich bei einem Bestand von zwischen 100 und 300 Hunden. Es würde weder einen Platz für diese große Anzahl von Hunden in den umliegenden Tierheimen geben, noch sind alle diese Hunde vermittelbar - ein Import nach z.B. Deutschland wäre nur in Einzelfällen möglich und somit keine spürbare Hilfe. Somit bleibt diesen Hunden nur noch übrig, sich in ihr trauriges Schicksal zu fügen, bis sie -wie bisher- durch Krankheit, Auseinandersetzung, Hunger oder Kälte sterben. Oder durch Depression und Selbstaufgabe.

Ich persönlich stelle mir da die "ketzerische" Frage: ob eine Schließung mit den damit verbundenen und unvermeidbaren Konsequenzen da nicht humaner wäre? Ist es nicht manchmal auch "Tierschutz", wenn man leidende Kreaturen, deren Chancen auf eine Verbesserung den Nullpunkt nicht nur erreicht, sondern deutlich unterschritten haben, von ihrem bitteren Schicksal erlöst?

Sabine Winklmann

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