Nur verletzt, nicht noch verhöhnt

Die "Bild"-Zeitung muss 36.000 Euro an eine Münchnerin zahlen, über die sie vor gut drei Jahren in einer Weise berichtet hat, die ihr Persönlichkeitsrecht verletzte. Der Vorstand der Axel Springer AG stimmte laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" einem entsprechenden Vergleich zu, den das Oberlandesgericht München vorgeschlagen hatte.

In der ersten Instanz hatte das Landgericht München "Bild" noch zu einer Zahlung von 50.000 Euro verurteilt und zur Haftung für gesundheitliche Folgeschäden der Frau verurteilt. Der Verlag war dagegen in Berufung gegangen. Das Oberlandesgericht gab Springer nun teilweise Recht: Die Summe sei zu hoch angesetzt. Und der Verlag habe die Frau im Prozess nicht noch zusätzlich verhöhnt.

In dem Artikel, um den es geht, hatte "Bild" die Frau identifizierbar gemacht, deren türkischer Ehemann bei seiner Einreise nach Deutschland unter dem Verdacht verhaftet wurde, elf Jahre zuvor seine damalige Freundin umgebracht zu haben. Der Bericht begann zudem mit dem Satz: "Mit Mitte 40 noch mal einen zehn Jahre jüngeren Mann abgreifen – für [...] war’s wie ein Hauptgewinn im Lotto." Der Justiziar Springers hatte danach erklärt, dieser Satz sei nicht negativ, sondern erwecke, wenn überhaupt, "Mitgefühl und Erleichterung" gegenüber der Frau.

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Das Eier-Babel von Mönchengladbach

Haben die "Bild"-Redakteure etwa am Wochenende ein kühles Corona zu viel getrunken?

Nee, im Ernst: Über die Englisch-Kenntnisse bei "Bild" wissen wir hinlänglich Bescheid.

Über die Spanisch-Kenntnisse des im französisch-sprachigen Côte d'Ivoire geborenen und in Frankreich aufgewachsenen Fußballspielers Gohouri: "Ich habe Lucio gemeint. Der spielt wie ein Mädchen. Wälzt sich da rum, als hätte er Schmerzen. Dabei habe ich ihn gar nicht berührt. Der hat keine Corones." Das ist spanisch – und heißt Eier...Steve Gohouri hingegen wissen wir nichts. Doch mal abgesehen von der Frage, warum ein französisch-sprachiger Fußballer (Gohouri) einen portugiesisch-sprachigen Fußballer (Lucio) nach dessen mutmaßlicher Schwalbe ausgerechnet auf Spanisch beleidigen wollen sollte (siehe Ausriss):

Vulgärspanische Hoden heißen anders.

Mit Dank an Christian H., Linus K., Oliver M., Stefan H. & José-Antonio G.

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"Bild" verirrt sich schon wieder im Fall Michelle

Vergangenen Donnerstag gab es doch mal wieder Neuigkeiten im Fall Michelle, die in einer Pressemitteilung der Polizei folgendermaßen zusammengefasst wurden:

Am Mittwochvormittag kamen im Rahmen der Ermittlungen im Fall Michelle erneut Mantrailer-Hunde zum Einsatz. (…) Im Laufe der erneuten Suche lief ein Hund zu einem Schulgebäude an der Möbiusstraße in Reudnitz-Thonberg. Im Gebäude suchte der Hund gezielt die Kellerräume auf. Daher gehen die Ermittler im Moment davon aus, dass sich Michelle zu einem gegenwärtig nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt dort aufgehalten hat. In den Räumlichkeiten fanden in der Vergangenheit offenbar auch Feierlichkeiten von Kindern und Jugendlichen statt, weshalb die Geruchsspur nicht im Zusammenhang mit dem Gewaltverbrechen stehen muss. Zum anderen besteht auch leider keine Garantie auf einen absolut fehlerfreien Geruchssinn der Hunde.

Die "Bild"-Zeitung machte daraus am Freitag dies:

Wir blicken in einen trostlosen, schmutzigen Schulkeller. Kalt, nass, keine Fenster, flackerndes Licht. Der unheimliche Ort ist die heißeste Spur zum Mörder der kleinen Michelle († 8) aus Leipzig.

HABEN SIE DAS GEFÄNGNIS VON MICHELLE ENTDECKT?

Wurde das Mädchen hier eingesperrt, missbraucht und getötet?

Und tatsächlich blickt, wer die "Bild"-Zeitung liest, in einen "trostlosen, schmutzigen Schulkeller". Denn scheinbar ist die "Bild"-Zeitung irgendwie an ein Foto des Kellers gelangt und druckt es ab:

"Spuren des ermordeten Mädchens im Schulkeller - Hat die Polizei Michelles Gefängnis entdeckt?"

Auf Nachfrage bei der Schule bestätigt man uns, dass das Keller-Foto auf dem Schulgelände aufgenommen wurde. Allerdings sei es schon vor längerer Zeit entstanden. Für eine Geschichte über die Renovierungsbedürftigkeit der Humboldt-Schule, die "Bröckel-Penne", wie "Bild" damals geschrieben habe. Und:

"Das ist nicht der Keller, um den es geht. Der ist ganz woanders."

Mit Dank an Marcel G. für den sachdienlichen Hinweis.

Oettingers Verkündigung

Unter der Überschrift "25 Jahre jünger — Oettinger stellt seine neue Liebe vor" steht heute auf Seite 2 der "Bild"-Zeitung über den Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten:

"Oettinger verkündete exklusiv in BILD nach 13 Jahren das Ende seiner Ehe."

Doch wie muss man sich das vorstellen?

Hallo? Bin da richtig bei der "Bild"-Zeitung? … Ja, Oettinger mein Name, Günther Oettinger – und ich dachte mir… Ja, genau der. … Baden-Württemberg, richtig. … Was? Ja, ich hätte da was, wo ich mich freuen würde, wenn Sie das vielleicht in Ihrem Blatt… Was? … Achso, nee: Nix Politisches! Es geht um mein Privatleben. Mit meiner Frau und mir, wissen Sie, das klappt nicht mehr so, und ich… Was? Ja, ja, das auch. … 13 Jahre. … Ja, Kinder auch, einen Sohn. … Naja, ehrlich gesagt, es gibt da so eine andere, die ich… Hübsch? Ja, sehr hübsch sogar. … Und jünger, ja. Aber das bleibt unter uns, gell? … Was? Nein, das stand noch nirgends sonst, nein. … Na, und da wollte ich mal fragen, ob ich nicht vielleicht exklusiv in "Bild" das Ende meiner Ehe verkünden dürfte? Das wäre wirklich furchtbar nett von Ihnen, wenn Sie das bringen würden!

Eher nicht. Als "Bild" das "Ehe-Aus" Oettingers vor einem Jahr öffentlich machte ("In BILD spricht der Politiker über das Ende seiner Liebe"), geschah das, wir erinnern uns, womöglich nicht freiwillig. "Frankfurter Rundschau" und "Südkurier" berichteten, dass "Bild" damals "ihre Folterwerkzeuge auspackte". Die "Stuttgarter Nachrichten" schrieben, "'Bild' soll gedroht haben, die Ehe-Probleme öffentlich zu machen". Und als Oettinger auf die Frage der "Stuttgarter", ob er von "Bild" gedrängt worden sei, sein "Liebes-Aus" öffentlich zu machen, nur sagte, das werde er "später mal beantworten", da übersetzte die "Süddeutsche Zeitung" Oettingers "später mal"-Antwort kurzerhand mit: "Ja."

Na, vielleicht meint die "Bild"-Zeitung ja auch all das, wenn sie heute schreibt:

"Oettinger verkündete exklusiv in BILD nach 13 Jahren das Ende seiner Ehe."

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Der Mann, der bei "Bild" kein großer Esser war

Grundsätzlich lassen sich zwei Arten von "Bild"-Interviews unterscheiden. Die eine Art wird tendenziell eher mit Politikern geführt, die Steuern erhöhen oder Verbrecher laufen lassen wollen, und nennt sich "BILD-Verhör". Die andere Art wird gerne mit Spitzenfunktionären großer Unternehmen geführt und hat keinen eigenen Titel, was vermutlich daran liegt, dass "Das offene Mikrofon", "Der ungestörte Monolog" oder "Es geht auch ohne Nachfragen" nicht so rubriktauglich sind.

Und wenn Ihnen diese Sätze bekannt vorkommen, könnte das daran liegen, dass wir sie vor ziemlich genau einem Jahr schon einmal geschrieben haben, als wir zum ersten Mal über die besondere Art der Interviews berichteten, wie sie "Bild"-Wirtschaftschef Oliver Santen mit anderen Wirtschaftschefs führt.

Wir haben viele Zeilen geschrieben, von "Nichtverhören" und "Kuschelgesprächen" gesprochen und getitelt: "Das Santenmännchen ist da!". Wir hätten uns die Mühe sparen können. Ein einziges Foto fasst die ganze kritisch-journalistische Haltung Santens zu seinen Gegenübern zusammen, und freundlicherweise zeigt es die "Bild"-Zeitung heute zu seinem neuesten Gespräch:

Eine treffendere Bildunterschrift unter dem Foto wäre natürlich: "Ach, das sind also diese leckeren Pommes Frites, die die Leute so gerne bei Ihnen essen?!" Aber vielleicht haben Sie, liebe Leser, ja noch bessere Ideen.

Nachtrag, 14. November. Auf die naheliegendste Bildunterschrift sind wir nicht gekommen, aber viele unserer Leser, als erster Boris H.:

"Auch Ihnen fress' ich gern aus der Hand."

Weitere Vorschläge, die uns gut gefallen haben:

Man beißt nicht die Hand, die einen füttert.
(Hauke H. und viele andere)

"Lecker Pommes! Und wenn ich die Hand so halte, kommt auch meine wunderschöne IWC-Uhr (10.000 Euro) voll zur Geltung."
(Florian S.)

"Danke, Herr Skinner, ich habe an Ihrem Kartoffelstäbchen gerochen und tu’s jetzt wieder in die Pappschachtel!"
(Michael B.)

"Ein kleiner Bissen für mich, ein großer Artikel für die BILD-Zeitung!"
(Lukas H.)

"Wes 'fries' ich ess, des Lied ich sing!"
(Karim a.)

"Moment… was steht da drauf? - "Ihren Scheck finden Sie in der Apfeltasche".
(Gingi)

Vielen Dank an alle fürs Mitmachen!

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Bild.de verkennt den narbigen Anziehkot

In dem Textchen über eine Party in der britischen Uni-Stadt Oxford vor gut zwei Wochen, von der es Fotos mit halbnackten Frauen drauf gibt, behauptet Bild.de heute u.a.

  • dass die Gäste zum Einlass einen "top-geheimen Geheimcode" hätten kennen müssen,
  • dass die Polizei den Abend abrupt "beendete",
  • und dass der Zeitpunkt der Party zu Empörung geführt hätte, weil an der Oxforder Uni "gerade erst" ein Gleichberechtigungs-Projekt stattgefunden habe.

Das ist erstaunlich. Denn all das findet sich in keiner anderen Quelle, die über den "Nackt-Skandal im feinen, englischen Oxford!" berichtet. Es stand so vorgestern nicht mal in der britischen "Sun", aus der Bild.de die Geschichte offensichtlich übernommen hat. Oder etwa doch? When you are the English speak’s not so mighty, vielleicht. Aber vergleichen Sie selbst:

Bild.de: thesun.co.uk: Übersetzung:
Eintritt gewährte der Türsteher nur jenen Gästen, die den top-geheimen Geheimcode des Abends kannten (…). In its advertising, the club told partygoers to adopt a "scary" dress code (…). In seiner Werbung forderte der Club die Partygänger auf, sich gruselig zu verkleiden.
Schließlich beendete die Polizei den Abend abrupt, wollte prüfen, ob der Club-Betreiber nicht übers Ziel hinaus geschossen ist. Doch die englischen Bobbies mussten unverrichteter Dinge wieder abziehen. Alles legal. Police licensing officer Tony Cope said the lack of direct participation from the club’s customers meant the law had not been broken and the investigation was closed last night. [Ein Polizist] sagte, weil die Club-Gäste nicht direkt [an den Show-Acts] teilgenommen hätten, liege kein Gesetzesbruch vor; die Ermittlungen seien in der vergangenen Nacht eingestellt worden.
Mehr Aufregung gab’s hingegen unter den weiblichen Studenten in Englands angesehenster Universität: Die hatte nämlich gerade erst die "Woche der Gleichberechtigung unter den Geschlechtern" zelebriert (…). And the show upset students from Oxford University after being staged just days before the start of its Students Union’s gender equality week. Und die Show brachte Studenten der Oxforder Universität auf, nachdem sie nur wenige Tage vor dem Start ihrer "Woche der Geschlechtergleichheit der Studentenschaft" stattgefunden hatte.

Mit Dank an Hanns K. aus Oxford.

Nachtrag, 19.44 Uhr: Bild.de hat den "top-geheimen Geheimcode" der "Sun" plötzlich doch noch geknackt…

Nachtrag, 14.11.2008: Wunderwelt Bild.de! Wo ein Online-Redakteur aus dem englischen "Sun"-Text einen miserablen deutschen Bild.de-Text macht, damit ein richtiger Übersetzer daraus anschließend wieder eine englische Version anfertigt – in der zwar die Fehler der deutschen Fassung tadellos übersetzt wurden ("Access to the erotic party was only granted to those who knew the secret code" usw.), aber dafür auch unkorrigiert stehen bleiben…

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"Bild" hilft… nicht bei Steiners Trauer

Matthias Steiners Geschichte ist wie gemacht für den Boulevard. Als er im Sommer bei den Olympischen Spielen die Goldmedaille im Gewichtheben gewann, widmete er sie seiner verstorbenen Frau. Die kam im Juli 2007 bei einem Verkehrsunfall ums Leben, und Steiner hielt bei der Siegerehrung ein Foto von ihr in die Kamera.

Seither berichtete die "Bild"-Zeitung häufiger über Steiner und seine Geschichte. Vor einer knappen Woche war er als Blattkritiker zu Gast. Einen Tag später schrieb der "stärkste Mann der Welt" selbst in "Bild".

Heute berichtet "Bild" darüber, wie Steiner (dem es im Prozess "nicht um Genugtuung", sondern offenbar um Trauerbewältigung geht) als Nebenkläger die Gerichtsverhandlung gegen den "Totraser seiner Frau" verfolgte, der wegen fahrlässiger Tötung angeklagt ist:

"Hier sieht der stärkste Mann der Welt den Totraser seiner Frau"

"Bild" berichtet nicht, dass der Staatsanwalt den Angeklagten in der Verhandlung auch fragte, warum er sich nicht mit Steiner in Verbindung gesetzt und ihm "sein Mitleid ausgesprochen" habe, "um den Schmerz zu lindern".

Die "FAZ" schreibt dazu:

[Der Angeklagte] antwortet mit leiser Stimme. Es tue ihm sehr leid, er wisse bis heute nicht, wie der Unfall passiert sei, Herr Steiner habe aber nur mit ihm reden wollen, wenn die Zeitung "Bild" hätte anwesend sein dürfen.

"Ich wollte persönlich mit Ihnen reden, die 'Bild'-Zeitung hätte ich nicht geduldet", antwortet Nebenkläger Steiner.

Und vermutlich stimmt, was Steiner sagt. Denn in einer ddp-Meldung kann man (ähnlich wie in der "Welt") nachlesen, was Steiner noch geantwortet hat:

Steiner habe ein Gespräch im Beisein eines Boulevard-Journalsten führen wollen. "Das habe ich abgelehnt", sagte der Angeklagte.

Steiner betonte jedoch, es könne sein, dass eine Boulevard-Zeitung den Vorschlag gemacht habe, "aber der Vorschlag kam nicht von mir".

Insofern ist die "Bild"-Zeitung womöglich mitverantwortlich, dass es nicht zu einer Aussprache zwischen Steiner und dem Angeklagten gekommen ist.

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Unverbesserlich VI

Im Frühjahr dieses Jahres wurde bekannt, dass eine Mutter in einem Zeitraum von über 20 Jahren drei Babys zur Welt gebracht, möglicherweise nach der Geburt getötet und in die Tiefkühltruhe gelegt hatte. Was danach geschah, fasst die Nachrichtenagentur AP wie folgt zusammen: "Nach dem Fund der Babys war die [Frau] mit ihrem Ehemann und ihrer [erwachsenen] Tochter auf einer Polizeiwache erschienen und hatte Selbstanzeige erstattet. Nach einem Teilgeständnis äußerte sie sich nicht weiter zu den Vorwürfen und galt während ihrer Zeit in der Untersuchungshaft als nicht vernehmungsfähig. Seit Oktober ist die Frau auf eigenen Wunsch in einer psychiatrischen Klinik untergebracht."

Aus dem Pressekodex:

"Bei der Berichterstattung über Unglücksfälle, Straftaten, Ermittlungs- und Gerichtsverfahren (…) veröffentlicht die Presse in der Regel keine Informationen in Wort und Bild, die eine Identifizierung von Opfern und Tätern ermöglichen würden. (…) Sensationsbedürfnisse allein können ein Informationsinteresse der Öffentlichkeit nicht begründen. (…) Liegen Anhaltspunkte für eine mögliche Schuldunfähigkeit eines Täters oder Tatverdächtigen vor, sollen Namensnennung und Abbildung unterbleiben."

Zum heutigen Prozessauftakt vorm Landgericht Siegen hatte sich die Angeklagte bis zur Unkenntlichkeit vermummt, trug einen schwarzen Schal überm Kopf und vorm Gesicht und eine Sonnenbrille mit verspiegelten Gläsern vor den Augen – und es ist nicht anzunehmen, dass das einem eigenwilligen Modebewusstsein geschuldet war. Es hatte einen guten Grund.

Denn wie groß das Medieninteresse hier auch sein mag: Das Persönlichkeitsrecht der Angeklagten ist größer. Oder um es – ohne Wenn und Aber – mit den Worten des Presserates zu sagen: Medien müssen in Fällen wie diesem "auf eine erkennbare Darstellung des Betroffenen verzichten" (siehe auch Kasten).

Fast überall, wo heute über den Prozess berichtet wird, finden sich Fotos der vermummten Frau – auch in einem großen Teaser auf der Bild.de-Startseite. Bild.de hat es allerdings nicht dabei belassen, sondern den Teaser und den dazugehörigen Artikel um ein weiteres Foto ergänzt:

Das zweite Foto veröffentlicht Bild.de nicht zum ersten Mal. Schon im Frühjahr, als der Fall bekannt wurde, war es – exklusiv – auf Bild.de und andertags auch auf der Titelseite der "Bild"-Zeitung zu sehen (wir berichteten). Es zeigt die Frau ohne Unkenntlichmachung.

Ob es sich bei dem Foto auf Bild.de jedoch nur um ein (unentschuldbares) Versehen handelt, wird sich spätestens morgen zeigen, wenn die gedruckte "Bild" ihre elfeinhalb Millionen Leser über den heutigen Prozessauftakt unterrichtet.

Nachtrag, 12.11.2008: Nun… Während das unverpixelte Foto der "Todes-Mutter" auf Bild.de nach wie vor online ist, hat die "Bild"-Zeitung ("Hier versteckt sich die Horrormutter") heute offenbar auf dessen Abdruck verzichtet.

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Yes, they can

"WIR SIND PRESIDENT!" wäre irgendwie unpassend gewesen. Und "Werden wir alle Afrikaner?" gab’s ja schon. Vielleicht ist "Bild" heute deshalb nichts Besseres eingefallen:

Und immerhin stellt "Bild" heute unmissverständlich klar, wer mit "wir" (engl. we) gemeint sein soll:

BILD (…) ruft ihm im Namen aller Deutschen zu: YES, WE CAN gute Freunde sein!

Sollte Obama der Gleichung BILD = alle Deutschen glauben, müsste die heutige "Bild"-Schlagzeile jedoch bekanntlich etwas anders aussehen:

Nachtrag, 18.30 Uhr: Jörg Quoos, stellvertretender "Bild"-Chefredakteur, ist mit der eigenen Seite-1-Schlagzeile auch nicht zufrieden. In der heutigen "Bild"-Blattkritik sagt er: "Unser Gefühl zu dieser Ausgabe ist, (…) dass die 1 zwar solide und ordentlich ist, aber keine 1, die man sich aufhebt zu einem historischen Ereignis und die man sich gar an die Wand hängt. Da haben wir uns vielleicht nicht lange genug gequält. Wir hatten auch gestern einen Wettbewerb, einen internen, ausgeschrieben: 'Wir suchen die beste Obama-Schlagzeile' – und auch da war ein sehr dürrer Rücklauf, muss ich sagen, und es war auch nichts dabei, was uns vorne weitergeholfen hat. Und deshalb ist auch hier die ausgelobte Flasche Champagner nicht vergeben worden. (…)"

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Bild.de lässt Obama nach Hause telefonier'n

Es wird verfügt in dem Gesetz Venedigs,
Wenn man es einem Außerirdischen dargetan,
Daß er durch Umweg' oder gradezu
Dem Leben eines Bürgers nachgestellt,
Soll die Partei, auf die sein Anschlag geht,
Die Hälfte seiner Güter an sich ziehn;
William Shakespeare (Übersetzung: Bild.de)

"Ich bin ein Außerirdischer, ein legaler Außerirdischer…"
Sting (Übersetzung: Bild.de)

Shakespeare und Sting werden sich wahrscheinlich wundern, dass sie sich hier in einem Atemzug mit dem Ku-Klux-Klan-Aktivisten Thomas Robb wiederfinden.

Robb-O-Ton in der "Sun":

"This war is between our people (…) and their people, the blacks. (…) We’re being taken over by aliens and I certainly consider Obama an alien."

Aber da können wir nix für. Schließlich hielt es das britische Boulevardblatt "The Sun" für erwähnenswert, dass Robb im Falle eines Siegs Barack Obamas bei der US-Wahl vor einem "Rassen-Krieg" gewarnt habe. Und so schreibt Bild.de unter Berufung auf die "Sun" über Robb:

Er ist der Meinung, dass Afroamerikaner Außerirdische sind, die in die USA eingedrungen sind, um die christliche Kultur zu zerstören... Robb: "Dies ist ein Krieg zwischen Menschen, die ich als rechtmäßige Besitzer und Führer dieses großen Landes sehe und ihrem schwarzen Gefolge. (...) Und Obama bezeichne ich als Außerirdischen." Verwirrte Worte eines durchgeknallten Mannes. Er scheint es ernst zu meinen.

Bild.de wohl auch.

Mit Dank an Hoi Polloi, Michael D., Phillipp S., Axel K., Jan-Dirk S., Martin und Heribert!

Nachtrag, 14.50 Uhr: Huch! Plötzlich haben sich die "Außerirdischen" bei Bild.de in gewöhnliche "Ausländer" verwandelt.

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